10 Coachingfragen für dein Erstgespräch
Mitten in einem Coaching unterbricht der Coachee sich plötzlich selbst. “Ich merke gerade, dass A gar nicht mein Problem ist. B ist mein Problem!” Er ist ganz erstaunt von seiner eigenen Beobachtung. Diese Erkenntnis scheint ihm tatsächlich zum ersten Mal bewusst geworden zu sein.
Ich freue mich innerlich. Wieder einmal zeigt sich der Sinn von guten Coachingfragen – und den dazugehörigen Pausen. Wie schön, wenn in einem Erstgespräch etwas klarer geworden ist, das vorher noch nicht zu erkennen war.
Wenn du Coach bist und nach Fragen für ein Erstgespräch mit einem neuen Klienten suchst - dann findest du hier 10 Coachingfragen, die dir beim Herausarbeiten des Anliegens helfen können.
Erstgespräch oder Kennenlerngespräch? Ein Unterschied
Googelt man nach Coaching Erstgespräch fällt auf: Es werden zwei unterschiedliche Situationen angesprochen. Zum einen das Anbahnungsgespräch, also ein telefonischer Erstkontakt oder ein Vorgespräch, in dem es um generelle Fragen geht: Ablauf, grobes Thema, Konditionen, Organisatorisches - sowie Nasenfaktor und Sympathie.
Dieses kostenlose Erstgespräch wird von einigen Coaches angeboten, ist aber kein notwendiger Standard. Ob es stattfindet, ist vielmehr eine Frage der jeweiligen Arbeitsweise.
Nach einem möglichen Kennenlerngespräch folgt nun das tatsächliche Erstgespräch, die erste offizielle Coachingsequenz, sprich, die erste wirkliche Coachingeinheit. Um die soll es hier gehen.
Das Anliegen des Coachees beim ersten Termin
Wenn Menschen einen Coach aufsuchen, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass ihr Anliegen schon klar umrissen ist. Neben Coachees, die mit einem konkreten Thema in das erste Gespräch kommen, gibt es unterschiedliche Ausgangslagen:
Der Coachee hat ein vages Thema.
Er spürt, dass ihn etwas beschäftigt, kann es aber selbst noch nicht richtig greifen. Das Gespräch mit dem Coach dient dann bereits der ersten Klärung: Was ist eigentlich gerade los? Und worum geht es mir wirklich dabei?Der Coachee kommt mit einem Einstiegsthema.
Er tastet sich unbewusst mit einem einfach zugänglichen Thema vor. Im Laufe des Gesprächs zeigt sich, dass hinter dem erstgenannten Thema noch etwas anderes liegt oder weitere Aspekte eine Rolle spielen.Der Coachee hat ein konkretes Thema.
Er kann seine Situation klar beschreiben und weiß möglicherweise auch schon, was er erreichen möchte.
Aber auch hier kann sich durch die Fragen und Spiegelungen des Coaches sein Blick verändern. Dabei kann deutlich werden, dass ein anderer Punkt wichtiger ist als zunächst angenommen.Der Coachee möchte zunächst einmal reden und sich sortieren.
Der Coachee kommt mit dem Bedürfnis, seine Gedanken auszusprechen und zu ordnen. Möglicherweise fehlen ihm im privaten oder beruflichen Umfeld geeignete Gesprächs- oder Sparringspartner. Der Coachingtermin bietet ihm einen geschützten Raum, in dem er ausführlich über sich, seine Situation und seine Gedanken sprechen kann, ohne dabei zugleich die Rolle und die Bedürfnisse seines Gegenübers berücksichtigen zu müssen.Der Coachee wurde geschickt,
etwa wenn das Coaching von einem Partner oder Vorgesetzten initiiert wurde. Dann stellt sich zusätzlich die Frage, ob und wofür er selbst den Coachingtermin nutzen möchte.
Was im Erstgespräch passiert
Die Grundlage für einen Coaching-Prozess ist die Auftragsklärung. Der rote Faden dafür - und damit meist der Beginn jeder Coachingeinheit - lautet
Problem - Ziel - Auftrag.
Wie erwähnt, kommen Menschen häufig nicht mit einem konkreten Auftrag ins Coaching, sondern vielmehr mit einem Anliegen.
Die Auftragsklärung ist daher ein relevanter Bestandteil des Coachings. Sie gliedert sich in drei Phasen:
Problemschilderung (Ist-Zustand)
Bestimmung des Ziels (Soll-Zustand)
Auftragsklärung im engeren Sinn (tatsächliche Auftragsklärung): Wie kann das Coaching zur Zielerreichung beitragen?
Randnotiz: Nicht jeder Auftragsklärungsprozess endet immer in einem Auftrag. Manchmal kann sich herausstellen, dass ein Anliegen in einem anderen Beratungsformat besser aufgehoben ist (z.B. Fachliche Beratung, Psychotherapie, Training)
Die innere Haltung als Coach
Coachingfragen wirken, weil man ihnen Raum und Zeit lässt. Sie entfalten ihre Wirkung erst nach und nach. Für den Coach gehört deshalb dazu, Stille und Pausen aushalten zu können.
Gerade Menschen, die neu in die Coachingrolle wechseln, erleben das häufig als Herausforderung - besonders dann, wenn sie aus Rollen kommen, in denen schnelle Lösungen gefragt waren. Im Coaching gilt es dagegen, nicht sofort einzugreifen, sondern darauf zu vertrauen, dass beim Coachee selbst etwas in Bewegung kommt.
Coaching ist im Grunde Hilfe zur Selbsthilfe. Was zunächst unscheinbar wirken kann – etwa eine Frage oder ein Perspektivwechsel –, kann helfen, Zusammenhänge zu erkennen, Entscheidungen zu treffen oder wieder ins Handeln zu kommen.
Wenn eine Frage nicht funktioniert, ist das okay. Coaching ist ein Prozess - und es geht nicht um eine Performance des Coaches. In diesem Fall gilt es, nicht hektisch die nächste Frage aufzurufen, sondern die Antwort in Ruhe abzuwarten. Wenn sie ausbleibt, wird ruhig die nächste Frage gestellt.
Es ist übrigens immer wieder spannend, wenn man rückblickend erfährt, dass nicht diejenigen Fragen für den Coachee relevant waren, die man selbst für am gelungensten hielt.
10 hilfreiche Fragen für die erste Coachingeinheit
Zu Beginn des Coachings geht es darum, den Coachee, seine Situation und den Kontext seines Anliegens besser kennenzulernen. Hier eignen sich unter anderem biografische, klärende und konkretisierende Fragen.
Gleichzeitig gilt es, das Anliegen des Coachees zu erfassen, besser zu verstehen und mögliche weitere Aspekte sichtbar zu machen.
Dabei können dir diese folgenden zehn Fragen helfen:
Was beschäftigt dich gerade?
Was sollte ich über dich und die Situation wissen, um dich gut zu verstehen?
Was hat den Ausschlag gegeben, jetzt ein Coaching zu beginnen?
Wenn dieses Gespräch am Ende nur eine Sache geklärt hätte: Welche müsste das sein?
Was müsste in dieser Stunde passieren, damit du sagst: Das Coaching hat sich gelohnt?
Wo zeigt sich das Thema in deinem Alltag am deutlichsten?
Was hast du bereits versucht, um mit dem Thema umzugehen?
Wenn dein Thema eine Frage wäre, wie würde sie lauten?
Wenn sich dein Thema klärt, was ist dir dann möglich?
Angenommen, das Coaching war hilfreich: Wer würde als Erstes merken, dass sich bei dir etwas verändert hat - und woran?
Wenn du deine Fragen griffbereit haben willst
Wenn du zu denjenigen gehörst, die Coachingfragen sammeln oder ablegen - und sich dabei regelmässig die Strukturfrage stellen:
Hm, wo war der Link mit den Fragen nochmal?
Wie komm ich jetzt schnell an die Fragen von neulich?
… dann lohnt sich ein Blick auf die Coaching-Fragenbank.
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✔️ Dank Sortierung nach Anlässen und Themen lassen sich Fragen bequem aufrufen und durchscrollen.
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💡 Smart Fact: Die 10 Fragen aus diesem Artikel entsprechen Box 1 der Fragenbank (mit 20 Boxen). Box 2 heisst „Nicht ganz freiwillig" – für die Fälle, in denen jemand geschickt wurde.